Gedichte von anderen

Zeitungsschnipsel

Gedichte von anderen 4

scan sehnsucht nach freiheit

Sehnsucht nach Freiheit

 

Seit Jahren weil ich schon in dunkler Zelle,
Mich sehnend nach der Sonne gold`nem Licht.
Ich preß mein Antlitz an die Gitterstäbe
Und such die Sonne – – doch ich find sie nicht.
Nur regenschwere Wolken zieh`n vorüber,
Erst langsam, dann oft wie ein Pfeil geschwind,
Gezogen wie von unsichtbaren Händen,
Getrieben von dem nimmerstillen Wind.

 

Von Zeit zu Zeit dann wieder Vogelschwärme,
An meinem Fenster streichen sie vorbei.
Dann wieder nichts – – und neben bitt`rer Reue
Quält mich des Tages ewig Einerlei.
Ich seh` am Morgen nicht die Sonne steigen
Und nicht am Abend ihre letzte Glut.
Das Herz, es klopft mir wild in allen Pulsen
Indeß sie rinnt, der Tränen heiße Flut.

 

Wenn dann der Lenzhauch streicht durch alle Fluren
Und alles grünt und sproßt in froher Lust,
Was kümmerts mich – – des Lenzes Wundersehnen,
Es zieht ja nimmermehr durch meine Brust. – – –
Ich seh` im Herbst die Trauben nimmer reifen,
Der Wind nur, der wohl Mitleid mit mir hat,
Treibt durch die Gitter von des Herbstes Prangen
Zu mir ein buntes – – ach schon welkes Blatt.

 

Wer gibt Bescheid mir auf die bange Frage,
Die unablässig durch den Sinn mir zieht.
Auf Antwort sinnend schau ich zu den Sternen – – –
Da tönet drauß der Glocke traurig Lied.
Als Antwort sagen mir die dumpfen Klänge:
Dein Herz des blutet sich hier aus.
Die Welt, die wirst du nimmer wieder sehen,
Nur tot trägt man ins Freie dich hinaus.“

Aus „Der Lieder eines Gefangenen“ Gedichtzyklus von

© Oscar Grunert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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